Warum Baby Shampoo nicht in den Augen brennt…

Ist doch praktisch, nicht wahr? Baby-Shampoos brennen nicht in den Augen. Klar, weil sie “besonders mild” sind, und “pflegend”. Warum Du dennoch damit vorsichtig sein darfst, das verrät dieser Artikel.

Die Labels auf den Flaschen versprechen viel – “mild” und “pflegend” sollen die Baby-Shampoos sein. Klar … Leider sind die meisten Baby-Shampoos gar nicht so mild, wie sie das versprechen. Sie enthalten ebenso waschaktive Tenside wie ihre Kollegen für die Erwachsenen.

 

Keine Tränchen – dank Betäubung

Baby Shampoo brennt nicht, weil es die Augen betäubt.Liest man auch nur ein bisschen genauer nach, dann stellt man fest, dass Baby Shampoo vor allem eines enthält: einen Cocktail aus chemischen Stoffen, die in Kombination das Auge betäuben. Die Hersteller erreichen dies mittels Laurethen.

Auf der einen Seite ist das natürlich toll. Keine Tränen, kein Geschrei – lustiges Badewannen-Geplansche mit Schaumkrönchen auf dem Haupt. Auf der anderen Seite kann es fatal sein, wenn man mal hinterfragt, was der Schmerz und das Tränen des Auges eigentlich ist: eine Schutzreaktion. Nichts anderes!

Aber wenn das Auge betäubt wird, dann kann der Körper nicht mehr “Achtung” schreien. Das führt zu zufriedenen Mamis mit Kindern, die nach Erdbeere riechen – und deren Augäpfel bei jeder Haarwäsche mit Substanzen in Kontakt kommen, die dort nicht hingehören.

Diese Substanzen stehen nämlich in Verdacht, bei Kindern das Wachstum der Augäpfel zu hemmen und bei Erwachsenen den grauen Star zu fördern. Außerdem sollen sie krebserregend sein und noch einige andere fiese Dinge machen.

Verwirrung auf der ganzen Linie

Ganz ehrlich? Ich bin verwirrt. Und je länger ich für diesen Artikel recherchiert habe, desto weniger habe ich Lust auf Shampoo – egal ob Baby- oder Erwachsenen-Shampoo.

Jedes Shampoo hat natürlich eine andere Zusammensetzung und die Namen der einzelnen “Zutaten” klingen wie aus dem Chemiebaukasten. Nicht immer verbirgt sich dahinter tatsächlich was Synthetisches, manchmal haben auch “natürliche” Stoffe komische Namen. Aber wie soll der Verbraucher da noch durchsteigen?

Ich liste Euch mal einige Stoffe auf, die als Risikostoffe eingestuft werden. Bei nicht allen ist es eindeutig nachgewiesen, ob sie schädlich sind, aber ich finde, der Verdacht reicht schon.

 

Risikosubstanzen

PEG (Polyethylenglykol) und PEG-Derivate sind zum Beispiel solche Substanzen. Sie haben unterschiedliche Funktionen in den Shampoos – unter anderem als Lösungsmittel, Tenside oder Weichmacher. PEG/PEG-Derivate werden wohl aus Erdöl gewonnen und sind gelinde gesagt ziemlich umstritten. Sie können die Haut durchlässiger machen, das führt dazu, dass Schadstoffe leichter in die Haut eindringen können.

Sodium-Lauryl-Sulfat ist eines dieser PEG-Derivate. Es findet sich in einigen Baby-Shampoos – und in den Shampoos für die Großen sowieso. Bei meinen Recherchen bin ich hauptsächlich auf die Aussage gestoßen, das Zeug sei krebserregend.

In “Naturkosmetik”-Shampoos findet man diese Bezeichnung auch – allerdings ein bisschen anders. Da heißt es Sodium-Laurin-SulfatACETATE (SLSA). Es basiert auf Fettsäuren aus Kokos- und Palmöl und ist ein Kondensat aus Laurylsäure und Salzen der Sulfoessigsäure. So steht es zumindest auf dieser Seite: http://www.olionatura.de/_rohstoffe/index.php?id=60

Auf derselben Seite liest man ein Stückchen weiter unten: “Die INCI-Bezeichnung Sodium Lauryl Sulfoacetate und ihre Ähnlichkeit mit dem in der konventionellen Kosmetikindustrie häufig verwendeten, kostengünstigen Sodium Lauryl Sulfate irritiert viele Verbraucher. Tatsächlich ist SLSA nur geringfügig milder und sollte demnach mit Bedacht eingesetzt werden.”

Da soll sich noch einer auskennen.

Acrylate

Sie sind so etwas wie Quellstoffe für das Shampoo, denn wir wollen ja das “richtige” Feeling haben, wenn wir das Shampoo auftragen. Sie sorgen dafür, dass das Shampoo gemächlich in die Hand flutscht und sich schön cremig anfühlt beim einmassieren.
Acrylate, die in der Kosmetikindustrie eingesetzt werden, sind meist sehr umweltbelastend. Acrylate können die Poren der Haut verschließen. Dann gibt es möglicherweise Pickel.
Die Naturkosmetik lehnt Acrylate ab, hier werden oft natürliche Quellmittel eingesetzt wie Bentonit oder Stärke. Die haben allerdings den Nachteil, dass sie einen Belag bilden, der abgerubbelt werden kann.

Es gibt noch unzählige Bestandteile, die fragwürdig sind. Meist Konservierungs- oder Lösungsmittel. Einen Link zu einer Übersicht findest du im Anhang zu diesem Artikel.

 

Baby-Shampoos: Chemiecocktail auf dem Kopf der Neugeborenen

Ob es nun diese Stoffe sind, die den Augapfel betäuben oder andere oder eine Kombination daraus? Es ist eigentlich egal. Die Liste der Inhaltsstoffe eines Baby-Shampoos oder eines Shampoos liest sich wie der Lieferinhalt eines Chemieversuchskasten.

Zurück zum Babyshampoo. Macht man sich die Mühe und checkt mal die INCI-Codes eines Babyshampoos für NEUGEBORENE, dann ist es schon so, dass die meisten der 12 Inhaltsstoffe als unbedenklich gelten. Dennoch entdeckt man auch unter diesen gleich zwei Konservierungsmittel (davon ist einer bedenklich) und einen Duftstoff mit konservierender Wirkung. Wie lange soll das Baby-Shampoo halten? Bis zur Pubertät?

Jetzt mal ganz ehrlich … hey, das soll an ein Neugeborenes drankommen!

Fakt ist, dass viele der in Shampoos enthaltenen Stoffe auch in Reinigungsmitteln enthalten sind, weil sie stark entfetten. Da mögen die Produkte noch so oft mit “sehr gut” getestet sein.
Fakt ist auch, dass einige der Stoffe, die die Kosmetikindustrie verwendet, aus Erdöl gewonnen werden.
Und Fakt ist ebenso, dass es nicht schlau ist, die natürlichen Reaktionen des Körpers zu unterdrücken, nur damit das Baby beim Haarewaschen kichert und danach so toll duftet.

Für uns Verbraucher ist es schon lange nicht mehr zu überblicken, welche Substanzen in diesen Shampoos drin sind. Einige bedenkliche Stoffe haben viele verschiedene Namen. Wir können nicht mehr beurteilen, was denn  jetzt “harmlos” ist und was bedenklich. Die Konsequenz für mich daraus ist, über Alternativen nachzudenken.

Aber was gibt es an Alternativen?

Für Babys gibt es meines Erachtens nur eine Alternative: Wasser. Warum eigentlich meinen wir, dass Babys Shampoos brauchen? Die meisten Babys haben einen feinen Flaum, der nicht unbedingt schmutzig oder fettig wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es reicht, mit Wasser zu reinigen – auch nach der Babyglatze. Das ist die beste, weil sanfteste, Alternative. Außerdem riechen Neugeborene und Babys doch  von Haus aus soooo gut – wenn sie nicht gerade eine volle Windel haben. ;)

Für kleine Kinder find ich es schwer, WIRKLICHE Alternativen zu finden, die auch alle Kriterien erfüllen. Irgendwie sind alle nicht zu 100 Prozent überzeugend.

Auch Naturkosmetik-Shampoos haben oft SLSA drin, das “Sanftere”. Das ist vielleicht das kleinere Übel, aber richtig gut ist es nicht.

Haare waschen mit Roggenmehl?

Eine mögliche Alternative gibt es dennoch: Roggenmehl. Das ist schnell gemacht, günstig und brennt nicht in den Augen. Man kann es auch gut mit nem leichten Duft versetzen. Allerdings: Es schäumt halt auch nicht. Das schmälert eindeutig den Badespaß. Ich geb es zu.

So wird es gemacht:

– 1 Esslöffel normales Roggenmehl (kein Vollkorn, sonst ist es zu grobkörnig und kratzt)

– Wasser löffelweise zusetzen, bis es eine angenehme Konsistenz hat.

– Eventuell Rote Beete Saft oder ein anderer Saft für die Spaß-Farbe… muss ja nicht knallig sein. ;)

– Dann benutzt du es, wie gewohnt, wie ein Shampoo. Draufschmieren und wieder abwaschen. Reinigt, nimmt das Fett mit, pflegt – ohne unaussprechliche Zutaten.

 

Habt Ihr Alternativen zu Kindershampoos? Dann freu ich mich, wenn ihr sie mir hierlasst. Ich bin immer noch auf der Suche nach sinnvollen Alternativen. Die muss es doch geben, oder? Hinterlasst hier einfach einen Kommentar oder schreibt mir eine Mail unter info@anstattdessen.de.

Achtung: Nachdem ich seit Jahren immer wieder von den Vertreterinnen eines bestimmten österreichischen Naturkosmetik-Herstellers angesprochen werde (inzwischen wurde mir mehr als zehn Mal versichert, wie toll die Produkte dieses Herstellers sind und so weiter) – muss ich jetzt doch mal eine ganz klare Ansage machen:

Ich möchte NICHT Teil Ihres Vertriebskonzeptes werden. Ich möchte NICHT, dass mein Artikel auf einer Ihrer Seiten verlinkt wird. Und ja, ich kenne die Produkte Ihres Arbeitgebers. Nein, ich werde NICHT darüber schreiben und ich möchte mich auch NICHT darüber austauschen!

 

Weitere Infos zum Thema Inhaltsstoffe von Kosmetik

Wenn Du weiter zu Baby-Shampoos oder Kosmetik allgemein recherchieren willst, dann wirf einen Blick in diesen Artikel. Darin habe ich Dir einige Links zu hilfreichen Apps oder Seiten zusammengestellt:

Inhaltsstoffe Kosmetik: Wie Du kryptische Bezeichnungen entschlüsselst

 

In diesem Sinne … viel Spaß beim Stöbern (und Kosmetik-Kauf).

Gabriele von anSTATTdessen

 

Interessante Bücher zu diesem Thema:

Vergiss Shampoo!: No Poo – der natürliche Weg zu glanzvoll gesundem Haar von Claudia Peters

 

 

Die Bombe unter der Achselhöhle von Walter Mauch

 

 

 

 

Autorin: Gabriele Nehls
Badeente - Bild, Vorschaubild: www.pixabay.com,MonikaP,CC0