Sinnvolle Unkraut-Vernichtung im Garten: Brotzeit machen

Ärgerst Du Dich über den Giersch, der in deinem Garten schon wieder überall sprießt, wo er eigentlich gar nicht hingehört? Oder macht dich der Löwenzahn wahnsinnig, weil er deinen Rasen verunstaltet? Dann hab ich einen Tipp für Dich, wie du diesen Unkräutern nachhaltig auf die Pelle rücken kannst: Iss sie!

Unkraut eignet sich wunderbar für die Brotzeit. Es ist immer da, leicht zu sammeln, gesund und oft schmeckt es sehr lecker.

Geh raus in deinen Garten, hol dir Giersch, Löwenzahn und Knoblauchsrauke (Beschreibung siehe unten). Waschen, kleinhäckseln, salzen und pfeffern – fertig. Dann garniere Dein Unkrautbrot_04Brot damit – statt Schnittlauch. Du kannst auch Gundermann, Schafgarbe oder Gänseblümchen aufs Brot nehmen. Oder Du kombinierst mit Küchenkräutern wie Zitronenmelisse oder Liebstöckel. Je nach Zusammenstellung werden Deine Geschmacksnerven Party feiern – versprochen.

 

Ein paar Informationen zu den 3 (un)beliebtesten (Un)kräutern

Giersch: Der Giersch ist einer der Lieblingsfeinde des sorgsamen Gärtners. Er ist fast nicht aus dem Garten zu kriegen. Selbst wenn man ihn ausgräbt, kommt er nach kurzer Zeit zurück, denn jedes Stückchen Wurzel treibt wieder aus. Ein wahrer Überlebenskünstler.

jungerGiersch04_meDer Giersch schmeckt ein bisschen wie Karotte und Petersilie gleichzeitig. Für mich ist er der Inbegriff der Frische. Du kannst ihn im Salat verwenden – oder eben aufs Brot streuen. Gedünstet ist er ein guter Spinatersatz, er eignet sich für Aufläufe, Suppen, Smoothies – eigentlich für alles. Deshalb bin ich ziemlich froh, dass mein Giersch im Garten immer wieder nachwächst, denn er wird hier fleißig geerntet. 🙂

Zudem tut er unserem Körper gut. Man sagt, der Giersch habe 4-mal so viel Vitamin C wie eine Zitrone.jungerGierschme04_4 In ihm sind unter anderem Kalium, Magnesium, Calcium, Mangan, Zink, Kupfer, Vitamin A und Eiweiß enthalten.

Giersch gilt als Heiler für Gicht und Rheuma. Warum weiß niemand so genau, denn die Wissenschaftler haben noch keinen Stoff in ihm entdeckt, der das untermauert. Dennoch hilft er – aufgelegt als Umschlag wirkt er lindernd. Außerdem fördert er den Stoffwechsel und ist auf milde Weise harntreibend, ist ein bisschen krampflösend, entsäuert den Körper und hilft gegen Entzündungen. Er ist ein sanfter Geselle, der Giersch.

Achtung: Wenn Du den Giersch draußen sammeln willst, dann sei bitte vorsichtig. Seine Blüten können leicht mit denen einiger sehr giftiger Pflanzen verwechselt werden, zum Beispiel mit den Blüten des giftigen Schierling. Deshalb bitte aufpassen. Nimm ihn nur dann mit, wenn du dir wirklich sicher bist. Am besten, Du nimmst Dir ein Bestimmungsbuch mit in den Wald.

Löwenzahn:meadow-409287_640_gabrielemlink_pixa Der Löwenzahn blüht gerade in voller Pracht. Er ist der Erste, der uns die Sonne auf die Wiesen zaubert. Viele von uns haben noch die Ermahnung der Mutter im Ohr: „Achtung, der ist giftig.“ Ist er nicht – im Gegenteil.

Der Löwenzahn ist ein guter Freund von Leber und Galle. Er wirkt harntreibend, hilft also bei der Entgiftung. In vielen „Detox“-Präparaten findet man Löwenzahnextrakt – zu horrenden Preisen. Im Garten gibt es ihn kostenlos. Draußen muss man nur ein bisschen aufpassen, wo man ihn sammelt, weil er sich gerne auf überdüngten Wiesen ansiedelt. Da gibt es ihn dann zwar in Hülle und Fülle, aber es ist schlauer sich den richtigen Platz zu suchen, sonst isst man die Umweltgifte, die er hilft rauszuschmeissen, gleich wieder mit.

Er gilt als blutreinigend und als Helfer bei Verdauungsbeschwerden.meadow-43467_1280_beeki_pixa Außerdem soll er der Haut gut tun und der Saft seines Stengels soll bei Warzen helfen.

Er schmeckt ein bisschen wie Chicoree – also bitter. Deshalb ist es beim Löwenzahn ratsam lediglich die kleinen Blättchen fürs Unkrautbrot zu ernten, wennman mit dem bitteren Geschmack auf Kriegsfuß steht. Wenn man ihn einige Zeit im Salzwasser ziehen lässt, verliert er viel von seinen Bitterstoffen. Oder man nimmt die Blüten, die schmecken leicht süß und sehr sonnig. 🙂 Man kann den Löwenzahn eigentlich für alles verwenden – Aufläufe, Suppen, als Rohkost – er ist vielfältig und wirklich gesund.dandelion-321759_1280_aranha_pixa

Der Löwenzahn enthält viel Kalium – doppelt so viel wie Kopfsalat. Ebenso verhält es sich mit Magnesium und bei Vitamin C hat der Löwenzahn sogar 8-mal so viel zu bieten. Auch beim Eiweiß übertrifft er den Kopfsalat um ein Vielfaches – etwa 5-mal so viel.

 

Knoblauchsrauke:knoblauchsraukejungme04_1 Die Knoblauchsrauke gehört zu meinen Lieblingen. Wer Knoblauch nicht verträgt und wem auch der Bärlauch noch zu stark ist, der kann es mal mit der Knoblauchrauke probieren. Sie schmeckt sehr mild knoblauchig, ist sanft und passt eigentlich in jede Speise. Momentan hat sie noch kleine runde Blätter, wenn sie größer werden, dann werden daraus dreieckige prächtige Fähnchen.

Nach meiner Erfahrung eignet sich die Knoblauchrauke allerdings nicht für gekochte Gerichte, denn sie verliert beim Kochen ihr Aroma. Aber zur Brotzeit – da gehört sie einfach dazu. Sie macht jedes Unkrautbrot zur Delikatesse. Ebenso ist sie eine wunderbare Zutat zum Salgarlic-mustard-115313_1280_Hans_pixaat. Es gibt sie den gesamten Sommer über, aber im Frühling, da ist sie am leckersten. Auch sie ist ein guter Vitamin-Lieferant… neben diversen Mineralstoffen enthält sie viel Vitamin A und C.

Früher wurde sie vor allem bei Atemwegserkrankungen, gegen Würmer bei eiternden Wunden oder Insektenstichen eingesetzt. Sie gilt als antibakterielles und keimtötendes Mittel. Die Knoblauchsrauke mag es gern ein bisschen schattig, allzu direkte Sonne, das mag sei gar nicht. Sie ist leicht zu erkennen … einfach ein Blatt zwischen den Fingern reiben und schnuppern. Wenn es deutlich nach Knoblauch riecht, dann hast du sie entdeckt.

Warum (Un)kräuter essen?

Ich frage zurück. Warum nicht? Wir pflanzen Kräuter und Gemüse in unseren Gärten an, um sie zu essen. Aber das, was frei Haus wächst, weisen wir zurück? Die meisten Unkräuter sind essbar – ja sie schmecken sogar richtig gut und sorgen nebenbei für unser Wohlbefinden. Sie haben noch einen weiteren Vorteil: Sie sind garantiert nicht genmanipuliert und nicht gespritzt. Vorausgesetzt der beflissene Gärtner hat selbst darauf verzichtet. 😉

In diesem Sinne … lasst es Euch schmecken.

Gabi

Weitere Infos zu Wildkräutern:

Eine Sammlung diverser Wildpflanzenportraits: https://wildpflanzenliebe.wordpress.com/wildpflanzenportraits/

Beschreibung zu 400 (Un)kräutern: http://www.kraeuter-verzeichnis.de/

Literaturtipp:

Essbare Wildpflanzen von von Steffen Guido Fleischhauer und Jürgen Guthmann

Das ist ein Buch, das ich oft in die Hand nehme, wenn ich mir nicht sicher bin. Die Pflanzen sind genau beschrieben, und es steht viel über Heilwirkung, Geschmack und Verwendungsmöglichkeiten drin.


Autor: Gabriele Nehls
Bilder: www.pixabay.com, Löwenzahnwiese: gabrielemlink, Löwenzahnblüte mit Knospen: beeki, Löwenzahnstrauß: dandelion, alle anderen anstattdessen.de

2 Kommentare

  1. oh gabi, so ein klasse artikel mit sooo vielen informationen… vielen lieben dank, ich werd ihn mal gleich bei facebook teilen gehen…
    alles liebe
    christel

    • Gabriele Nehls

      Danke Christel, freut mich, wenn er Dir gefällt. Hast Dich schon für den Newsletter eingetragen? Da gibts immer noch ein Rezept extra – alle ein bis zwei Wochen. LG Gabi

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