Arrrrgh, Kopfläuse – der Albtraum aller Eltern

Man kann fast die Uhr danach stellen. Jedes Jahr um diese Zeit sieht man an vielen Türen von Kindergärten, Schulen oder Horten ein großes Schild: Achtung, Läuse! Bitte beachten Sie, dass Kopfläuse meldepflichtig sind. Benachrichtigen Sie uns umgehend, sollten Sie bei Ihrem Kind Läuse bemerken.

Und wie jedes Jahr mutiere ich beim Anblick dieses Schildes fast augenblicklich zur Affenmama. Mein Kind ist bereits nach kurzer Zeit vollkommen genervt, weil ich permanent im Vorbeigehen die ein oder andere Haarsträhne zur Seite ziehe und einen unauffälligen Blick auf ihre Kopfhaut werfe. Dabei müsste ich mittlerweile ziemlich cool damit umgehen. Wir hatten noch nie welche, obwohl ich dieses Schild nun schon vier Jahre in Folge an diversen Eingangstüren gesehen habe.

Nö, bei Läusen bin ich nicht cool. Ich habe das Chaos bei Bekannten und Freunden erlebt, deren Kinder Kopfläuse hatten. Hey, das ist richtig anstrengend. Und meistens ist die Entdeckung dieser Viecher der Auftakt für eine Chemieorgie allererster Güte.

Grund genug sich ein bisschen Gedanken zu machen, was wäre wenn …

Was sind Kopfläuse eigentlich und wie kriegt man die?

In meiner laienhaften Vorstellung dachte ich zuerst, Kopfläuse sind fiese kleine Flohimitatoren, die von Köpfchen zu Köpfchen hüpfen, an jedem Kind ein bisschen naschen und bei der Gelegenheit ein paar Eierchen platzieren, die dann flux ausschlüpfen und weiterhüpfen. Falsch. Kopfläuse hüpfen nicht. Sie krabbeln gemütlich von einem Wirt zum anderen. Und wenn sie nicht zufällig per Kappi-Taxi auf einem anderen Kopf landen, dann bleiben sie meist da, wo sie sind.

Des Weiteren hab ich mich gefragt, ob Kinder auch von den Tieren Läuse bekommen können. Wieder falsch. Denn Kopfläuse mögen kein tierisches Blut. Ebenso wie Hundeflöhe das Blut von Menschen nur im allergrößten Notfall zu sich nehmen, können Läuse tierisches Blut nicht verwerten. Daher kommen sie also nicht vom Tier.

Kopfläuse sind winzig kleine Parasiten. Sie sind etwa ein bis fünf Millimeter klein und leben, wie der Name schon sagt, auf der Kopfhaut. Je dichter das Haar, desto lieber wohnen sie dort – klar, bietet ja auch besseren Schutz. Sie heften sich an das Haar, nahe an der Kopfhaut, und nehmen so in etwa alle zwei bis vier Stunden einen Snack. Ihre Farbe variiert, je nachdem, ob die Laus gerade eine Mahlzeit hinter sich hat oder nicht – entweder ist sie eher grau oder braun.

256px-Human_head_louse_egg.jpg_wikimedia_von Gilles San MartinIm Prinzip lebt eine Laus nicht besonders lange. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 30 Tagen. Eine einzige Laus wäre im Prinzip also kaum ein Problem, wenn sie nicht so fortpflanzungsfreudig wäre. Denn in 30 Tagen kann ein Weibchen bis zu 160 Eier, die sogenannten Nissen, legen. Die Nisse auf dem Bild rechts ist gerade einmal 0,57 Millimeter groß.

 

Übrigens gibt es noch ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält: Läuse haben nichts mit mangelnder Hyghiene zu tun. Im Gegenteil … die Läuse lieben frisch gewaschenes Haar. Dort ist es nämlich nicht so fettig und sie können sich besser festkrallen.

Wie vorbeugen?

Das Ergebnis der Läuseprüfung bei uns war zum Glück eindeutig – keine Läuse. Hurra!

Aber… morgen und übermorgen und überübermorgen … da wird mein Kind da wieder hingehen. Wie kann ich verhindern, dass die Tierchen mein Kind lecker finden?

Ich hab meine Lieblingserzieherin natürlich gleich gefragt, was sie denn vorbeugend machen, wenn Läusealarm ausgerufen wird. Wer, wenn nicht die Erzieher, haben damit die beste praktische Erfahrung. Sie hat mir drei verblüffend einfache Vorsichtmaßnahmen genannt, die sie jedes Mal sofort ergreifen:

1) Die Kinder bekommen die strikte Anweisung, keine Kappis, Mützen, Klammern, Haargummis, Kämme, Bürsten, etc. mit den Freundinnen und Freunden auszutauschen. Da die Läuse ja nicht hüpfen, kommen sie nicht zum neuen Wirt, wenn es keine Brücken gibt. ;) Klingt logisch, oder? Ok, was noch?

hairstyle-280169_1280.jpg_cocoparisienne2) Zöpfe flechten (natürlich nur bei Mädels, grins). Läuse mögen offensichtlich offene lange Haare lieber, als stramm geflochtene. Deshalb macht es Sinn, während des Läusealarms die Haare der Mädels in hübsche Frisuren zu packen.

3) Haarspray oder Gel. Nun ja, zugegeben, da war ich jetzt nicht so begeistert. Aber immerhin besser als das Gezeter, wenn die Läuse auf dem Kopf eingezogen sind. Und es ist ja nur für eine begrenzte Zeit.

Prinzipiell meinte die Erzieherin zu mir: “Sie können sich entspannen. Denn sind die Läuse einmal entdeckt, ist die Gefahr eigentlich schon lang vorbei. Hat ihr Kind bisher noch keine, bekommt sie wahrscheinlich auch keine, wenn sie darauf achten.“

Tja, alles schön und gut … und was macht man, wenn Läuse da sind?

Zuallererst: Die meisten fertigen Präparate gegen Kopfläuse enthalten Insektizide – entweder auf chemischer Basis oder auf “natürlicher” Basis wie das Pyrethrum. Das ist ein starkes pflanzliches Nervengift. Obwohl es aus der Chrysantheme gewonnen wird, kann es zu fiesen Nebenwirkungen führen. Außerdem sind die Läuse zunehmend immun gegen die Wirkstoffe der im Handel erhältlichen Lausmittel, was die Sache nicht einfacher macht.

Wenn Du ein fertiges Lausmittel in der Apotheke kaufen willst, dann achte darauf, dass Du eines auf Soja-Kokosöl-Basis bekommst. Alle anderen sind Hardcore-Krieg für den Körper.

Es gibt auch aus der Naturmedizin eine Wurzel, die gerne empfohlen wird – Quassia. Allerdings, ICH würde sie meinem Kind nicht auf den Kopf packen, sorry. Auch sie ist ein Insektizid, das nicht nur Läuse dahinrafft, sondern auch eine ganze Reihe andere Insekten. Ich bin bei solchen heftigen Mitteln eher zurückhaltend.

Sanftere Läuse-Vergraulungs-Methoden, die wirken

Zum Glück gibt es einige Dinge, die man vorher ausprobieren kann. Ich hab sie selbst noch nicht getestet, da wir ja noch keinen Läusebefall hatten, aber ich hab von vielen Seiten gehört, dass sie gut funktionieren. Ich hab ein paar Tipps für Dich gesammelt:

Nissenkamm

Das wichtigste Utensil für Dich, wenn Du Läuse loswerden willst, ist der Läuse- oder Nissenkamm. Es hilft alles nix. Er wird dein treuer Begleiter werden – mindestens für die nächsten 8 Tage. Er ist verhasst, ich weiß, weil er ziepst und es ist eine Tortur, die Haare mit dem Ding zu bearbeiten.

Essig-Öl-Packung

– Zunächst werden die Haare mit Essig gewaschen. Das löst etwaige Nissen von den Haarwurzeln. Die Läusemamas kleben ihre Eierchen nämlich mit einer klebrigen Flüssigkeit an die Haare, der Essig löst diese Flüssigkeit anscheinend ganz gut. Die nassen Haare mit dem Nissenkamm durchkämmen. Die Haare trocknen lassen, ohne den Essig auszuspülen.

– Dann, im zweiten Schritt, den gesamten Kopf mit Öl tränken. Das kann Kokosöl sein, aber auch Olivenöl. Ich würde Olivenöl vorziehen. Koksöl wird zwar inzwischen von allen für alles empfohlen, aber es kommt doch von weit her. Und ich würde in jedem Fall regionalere Öle vorziehen.

– Die Olivenölpackung über Nacht drauf lassen, evtl. mit einer Plastikhaube abdecken.

– Am nächsten Morgen die Haare normal waschen. Und wieder Nissenkamm …

Das war es zunächst. Das Ganze kann man nach einigen Tagen wiederholen – um sicherzugehen. Aber wenn sich keine Tierchen oder Nissen mehr zeigen, dürfte der Spuk vorbei sein.

Neem-Öl und Teebaum-Öl

Diese beiden ätherischen Öle sollen legendär gegen Läuse helfen. Sie riechen halt nicht besonders gut – aber was solls. Wenn´s hilft… Man kann sie in die Ölpackung geben (bitte sehr sparsam dosieren, wie immer bei Kindern). Mit Neemöl gibt es auch einige Präparate im Handel, da darf man nur aufpassen, was denn sonst noch so alles drin ist.

lavender-543728_1280.jpg_JohnBIANLavendel

Lavendel mögen die Viecher gar nicht. Entweder man mischt es ebenfalls in die Öl-Packung oder man verwendet ein Lavendel-Badeöl – wichtig ist aber, dass es echte ätherische Öle enthält. Nicht bloß so Fake-Düfte.

– Mit dem Lavendel-Badeöl wird der Kopf gewaschen. Es wird danach nicht ausgespült und über Nacht drauf gelassen.

– Am nächsten Morgen noch einmal normal waschen und wieder den Nissenkamm schwingen.

 

Im Prinzip haben die meisten Varianten dieselbe Wirkung. Säure lockert die Nissen und durch das Öl ersticken die Läuse. Der Kamm entfernt beide.

In Südamerika heißt die Geheimwaffe gegen Kopfläuse übrigens Mayonnaise. Letztlich funktioniert dies nach demselben Prinzip, denn die Mayo wird über Nacht auf die Kopfhaut geklatscht und mit einer Duschhaube abgedeckt. In Mayonnaise ist eine Menge Öl drin … die Läuse ersticken.

Und in den arabischen Ländern wird oft natürliche Henna verwendet. Das hat mir eine ganz liebe Freundin in die Kommentare auf fb geschrieben und ich möchte es gleich ergänzen. ;) Sie meinte, man kann es selbst aus Hennablätter mahlen, um Chemie zu vermeiden. Henna tut der Kopfhaut und den Haaren gut und beim Einwirken über Nacht rafft es die Läuse dahin. Henna hat allerdings einen Nachteil: Sie färbt. Blondinen würden am nächsten Morgen mit rötlichen Haaren aufwachen. Deshalb empfiehl sie es der Optik wegen nur dunkelhaarigen Kindern. Dennoch ist der Tipp gut, find ich. :)

Putzen, putzen, putzen …

Parallel zur direkten Läusebeseitigung muss man jedoch noch eine Reihe anderer Maßnahmen ergreifen, wenn man nicht binnen kurzer Zeit wieder Besucher haben will. Und das ist der eigentliche Stress. Man muss alles, aber auch alles reinigen. Hier sind einige der Dinge, die Du bei Kopflausbefall reinigen darfst:

– Möbelstücke

– Boden

– Polster

– Kleidung komplett

– Kuscheltiere: Ich hab gehört, man solle sie vor dem Waschen 24 Stunden in die Tiefkühltruhe stecken. Ob das was bringt, konnte ich allerdings nicht herausfinden. Auf jeden Fall müssen ALLE Kuscheltiere bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.

– Bettwäsche täglich wechseln.

– Handtücher

– Kappis, Mützen, Haarklammern, Krönchen, Kopftücher, etc. (am besten auskochen)

– Bürsten und Kämme komplett

– Alles, was mit den Köpfen der Familie in Berührung gekommen ist – zum Beispiel auch die Kopfstützen im Auto.

 

Was NICHT hilft

– Oft hört man, man solle den Kopf häufig waschen oder heiß föhnen, das würde die Läuse verbrennen. Hilft nicht … Läuse fühlen sich bei 36 Grad erst so richtig wohl. Bevor es der Laus zu heiß wird, hast Du ein schreiendes Kind unter dem Fön, weil seine Kopfhaut empfindlicher ist, als die Laus.

– Es bringt auch nichts, eine Laus zu ertränken – also den Kopf unter Wasser zu halten. Die Burschen können bis zu acht Stunden die Luft anhalten. Die haben den längeren Atem.

 

Im Großen und Ganzen sind Kopfläuse keine große Sache – aber eine Menge Arbeit. Ich bin heilfroh, dass mein Kind DIESE Tierchen noch nicht mit heimgebracht hat. Mit Mäuschen, kranken Spatzen, einflügeligen Marienkäfern oder halb verhungerten Hummeln kann ich sehr gut leben – kleiner müssen die Haustiere dann einfach nicht sein.

Hast Du schon eines dieser Mittel ausprobiert? Oder hast Du ein eigenes Rezept gegen Läuse? So sanft die alternativen Methoden auch sind, leider gehen die Läuse selbst bei der Entfernung drauf. Eigentlich hätte ich gerne noch eine Methode gefunden, bei der die Läuse freiwillig das Weite suchen, grins. Falls Du eine kennst, freu ich mich, wenn Du sie hier mit mir teilst. :)

 

Autor: Gabriele Nehls
Bildquellen: www.pixabay.com
Mädchen mit Zopf: cocoparisienne
Lavendel: JohnBIAN
Nisse: Gilles San Martin [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

 

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