Gelatine – was genau ist das eigentlich?

Einigen Stoffen kann man fast nicht entkommen, auch wenn man das vielleicht vorziehen würde. Gelatine ist so ein Stoff. Sie ist so ziemlich überall drin. Aber was genau ist das eigentlich? Aus was wird Gelatine gemacht?

 

Gelatine_blaetter_danielle dkGuckt man mal ein wenig hinter die glasklare Fassade der Glibberblättchen, wird man nachdenklich, was man da eigentlich noch so alles mit isst. Grundsätzlich wird Gelatine aus Tier gemacht, genauer gesagt aus Schweinen, Rindern, Geflügel und Fischen. Manche behaupten es sei auch Pferd mit dabei, aber das hab ich nur aus einer Quelle und fand es nirgendwo bestätigt.

Hauptlieferanten sind die Schweine. Ihre Schwarten und ihr Bindegewebe machen 70 Prozent der Gelatine aus. 18 Prozent bestehen aus Tierknochen – da müssen auch die Rinder mitspielen und 10 Prozent aus Häuten. Irgendwie soll auch noch Rinderspalt – das ist eine Haut zwischen Ober- und Unterhaut – mit dabei sein. Aus dem Bindegewebe wird das Kollagen extrahiert, das der Grundstoff der Gelatine ist.

 

Kurz gesagt: Das, was von Riesenschnitzel oder vom Steak übrigbleibt, wandert stillschweigend in andere Lebensmittel, die eigentlich mit Tier gar nichts zu tun haben sollten.

Marmelade zum Beispiel … oder Saft. Nein, ich mag keine Schweineschwarte in meinem Saft, auch nicht, wenn er dadurch schön durchsichtig wird. Übrigens klatschen sie Gelatine auch in Frischkäse, Puddings aller Art, Lakritze oder Torten. Überall, wo irgendwas glibberig oder cremig sein soll, ist möglicherweise Gelatine drin.

Auch fast alle Kapseln enthalten Gelatine… Nahrungsergänzungsmittel, ausgewählte Cerealien, Zündhölzer, Leim oder Fotopapier. Die Liste ist noch viel länger.

Gammelfleisch, Antibiotika und Hormone – durch Gelatine allgegenwärtig

Gelatine-Partikel

Man kann also davon ausgehen, dass aus den Resten von Schlachttieren Gelatine gemacht wird. Damit gelangen auch alle Segnungen der Massentierhaltung über die Hintertüre in viele andere Nahrungsmittel. In Gelatine ist alles, was auch in den Tieren ist – eben auch Antibiotika, Gensoja und alles, was so ein armes Vieh sonst noch täglich reingestopft kriegt in seinem kurzen Leben.

Das Fatale ist, dass Gelatine oftmals nur ein Hilfsstoff ist und der muss nicht deklariert werden. Man weiß also nie genau, ob das Produkt, das vor einem im Regal steht, nun Gelatine enthält oder nicht. Nur dann, wenn Gelatine wirklich ein Bestandteil ist, muss es auf die Zutatenliste.

Was macht Gelatine denn eigentlich, wozu braucht man sie?

Warum panschen die Lebensmittelhersteller überall Tierhäute mit rein? Die Antwort darauf: Sie ist billig und sie ist ein Verwandlungskünstler. Ich hab Bauklötze gestaunt, zu was Gelatine genutzt wird. Man kann sie so gut wie überall einsetzen – nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in Medizin, Technik und vielen Bereichen, die uns nicht einmal in den Sinn kommen. Hier einige Anwendungsgebiete…

Gummibärchen: Die meisten Produkte sind mit Gelatine gemacht.  Quelle: www.pixabay.de

Geliermittel: Gelatine quillt im Wasser auf und wird glibberig. Erwärmt man sie, dann löst sie sich auf. Je kälter, desto fester wird sie wieder, das Ganze ist also umkehrbar. Das ist zum Beispiel der Grund, warum Gummibärchen auf der Zunge zergehen.

Klärmittel: Sie wird zur Klärung von Wein, Essig oder nicht naturtrüber Säfte verwendet. Außer in Bayern und Österreich kann auch Bier damit geklärt werden.

Trägerstoff: Da Gelatine wasserlöslich ist, wird sie gerne auch dazu verwendet, um Vitamine in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zu verkapseln. Gelatine ist auch in den meisten Tabletten enthalten – vermutlich aus demselben Grund. In dieser Funktion wird sie auch in der Technik gerne verwendet. Bei Fotopapier zum Beispiel oder Fotofilmen dient sie als Träger der Pigmentschicht.

Beschichtung: Die Medizintechnik beschichtet beispielsweise häufig Implantate mit Gelatine.

Quelle: www.pixabay.de

Stabilisator: In einer bestimmten Form ist Gelatine als Stabilisator in Impfstoffen enthalten.

Modelliermasse: Maskenbildner lieben Gelatine, weil sie damit Wunden sehr realistisch nachbilden können. In der Ballistik wird Gelatine unter anderem zur Bestimmung von Schusskanälen und Einschusswinkel genutzt.

Grundierung: Die Geigenbauer streichen heiße Gelatine direkt auf das Holz. Das gibt eine gleichmäßige Farbe.

Kollagen: In der Kosmetik wird viel Gelatine beziehungsweise Kollagen verwendet. In Cremes soll Kollagen die Falten mildern. Anti-Aging ist hier das Stichwort.

Streichinstrumente: Grundierung mit Gelatine Quelle: www.pixabay.de

Klebstoff:  Gelatine – und eine Variante davon, das Glutin – hat wohl auch Klebekraft. Denn aus den Abfällen von Tierkadavern (also nicht nur aus dem Bindegewebe, aber auch) wird der so genannte Glutinleim hergestellt – hier gibt es verschiedene Bezeichnungen: Knochenleim, Hautleim, Hasenleim, Fischleim, oder Hausenblasenleim. Es soll Leute geben, denen ist es wichtig, dass man Glutinleim nicht mit “normalem” Leim verwechselt. Für mich macht es keinen Unterschied. Beide Leimarten enthalten Tier. Die chemische Zusammensetzung ist mir egal. “Normaler” Leim wird aus Knorpeln hergestellt, Glutinleim aus “tierischen Abfällen”. Angeblich ist Glutinleim klebriger.

Übrigens wird der aus Knorpeln hergestellte (Leim-)Stoff auch als Nahrungsergänzung oder Medikament bei Arthrosen verabreicht.

Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig. Wenn mir weitere Anwendungsgebiete über den Weg laufen, werde ich das hier ergänzen.

Wie kann man Gelatine ersetzen?

Ich habe für mich entschieden, dass ich Gelatine nicht in meinem Essen haben will. Zu Beginn dachte ich, das sei ganz einfach, aber inzwischen weiß ich. Nicht immer ist es offensichtlich, wo sie enthalten ist. Es gibt einige Produkte im Supermarkt, da hätte ich Gelatine nie darin vermutet – Orangensaft zum Beispiel. Im nächsten Artikel habe ich Dir einige dieser Produkte aufgelistet:

Gelatine: In welchen Produkten ist sie drin?

Autor: Gabriele Nehls
Bildquellen: www.pixabay,com 
Gummibärchen: Hans, Tabletten: beeki,Geige: niekverlaan
www.wikimedia.org:
Gelatinepartikel: By Maercli (Own work) CC BY-SA 3.0
Gelatine in Schüssel: von Danielle dk (Own work) CC BY-SA 3.0

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